Hospitation beim NFL-Team Tampa Bay Buccaneers

 

Nach Wochen der Vorbereitung ist es endlich so weit! Nach dem Vorabend bei den Miami Heat ist um 08.45 die Ankunft am Flughafen Tampa. 09.15 Ankunft beim Raymond James Stadium und abholen der „Working Staff“-Akkreditierung der Tampa Bay Buccaneers. Um halb 10 ist es dann so weit: Clark, der Creative Director der Tampa Bay Buccaneers, in Anzug und Krawatte gekleidet, holt mich mit seinem Golf-Wagen in den Katakomben des Stadions der Bucs ab. Clark ist selbst erst seit einigen Monaten im Amt bei den Buccaneers und war davor 20 Jahre lang „President“ einer New Yorker Werbeagentur und kam nach Empfehlung eines Headhunters nach Florida. Schon daran merkt man, dass das Entertainment im US-Sport bzw. in der NFL einen ganz anderen Stellenwert hat. Dieser Tag sollte alles halten was er versprochen hatte – und noch mehr!

 

Punkt 10.00, 3 Stunden vor Spielbeginn, ist das Entertainment-Meeting angesetzt. Gut 20-25 Personen sind in der eigenen Stadion-Loge, die für das Entertainment reserviert ist, anwesend. Hier werden noch mal die Highlights des Tages durchgegangen und Dinge, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Heute steht das wichtigste Spiel der Saison an. Zum einen ist Tampa Bay noch mitten drin im Kampf um die Play-Offs. Andererseits steht mit den Philadelphia Eagles ein sentimental wichtiger Gegner am Programm, der vor exakt 10 Jahren im Conference-Final am Weg zum einzigen Superbowl-Triumph in der Club-Geschichte, in den letzten Sekunden des Conference-Finals bezwungen werden konnte. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es in der Halbzeit des Spiels auch die Ehrung des damaligen Superbowl-Teams am Spielfeld. Demnach ist natürlich auch eine Menge an Club-Legenden und VIPs garantiert. Das bedeutet jede Menge Arbeit für das Entertainment-, vor allem für das Video-Team. Apropos Video-Team: beim Spiel selbst sitzen im Video-Schnitt-Raum alleine 20 Personen vor den Schirmen, die sich nur um die Produktion des Inhouse-Signals kümmern.

 

Im Anschluss steigen wir wieder in den Golfwagen, ohne den dieses Weg-Pensum in dem Riesenstadion kaum möglich ist, und fahren wieder 5 Stockwerke hinunter in das Stadioninnere. Jetzt steht eine kleine „Touristen“-Tour am Programm. Zunächst geht es zum Piratenschiff. Wie bitte? Ja – Piratenschiff. Da die „Buccaneers“ Piraten vor Florida darstellen sollen darf natürlich ein Schiff auch nicht fehlen. Das wurde dann einfach in das Stadion hinein gebaut. Und damit das nicht nur Dekoration ist, kann es pro Spiel von einer Gruppe gemietet werden und somit Piraten-Party während dem Football-Spiel gefeiert werden. Kleines Add-On: pro Punkt der Heimmannschaft werden die Kanonen abgefeuert – also bei einem Touchdown beispielsweise sind es 6 Schüsse. Im Anschluss geht es auf den heiligen Rasen, wo bereits 2,5 Stunden vor Spielbeginn die ersten Spieler beim leichten aufwärmen und einwerfen sind. Dabei sind auch die Cheerleader. Sie machen sich im Stadioninnenraum bereit für den großen Auftritt. Gut 30 gut aussehende Mädels liefern eine Show vom allerfeinsten ab – made in USA. Und das zum Nulltarif. Die Cheerleader bekommen für einen Spieltag keinen Cent. Neben dem Prestige gibt es aber natürlich Geld für etwaige andere Auftritte zB bei Firmenevents und natürlich die jährlichen Cheerleader-Kalender. Anschließend geht es in die Kabine von Maskottchen „Captain Fear„. Diesen gibt es sogar in doppelter Ausführung – natürlich nicht offiziell, dafür erleichtert es die Arbeit aber ungemein, waren doch weit vor Ankick schon die ersten Schweißflecken am Kostüm zu sehen. Kein Wunder bei Außentemperaturen von knapp unter 30 Grad. Wieder zurück am Spielfeld wird bereits die Pyrotechnik für das Player-Entry getestet. Nebenbei werden bereits die ersten Fotos vom Social Media Team der Bucs auf diversen Plattformen wie Facebook & Co. verbreitet. Alles Teil des Marketings. Angesprochen auf das Budget für’s Entertainment: „Das ist das gute daran, wenn der Club einer Familie gehört. Wenn die etwas wollen, dann wird es möglich gemacht. Der Preis ist nebensächlich.“ So lässt es sich natürlich auch wirtschaften.

 

Los geht’s! Gut 10 Minuten vor Spielbeginn beginnt die Pre-Game Zeremonie mit eigenem Video und gebührender Pyro- und Nebelshow! Zunächst die Cheerleader, dann die Buccaneers! Interessant war auch zu sehen, dass es bei NFL-Spielen auch eigene „Pre Game“-Feld-Akkreditierungen für Fans zu gewinnen gibt. Auch was Feines. Die ersten Minuten des Spiels an der „Sideline“ sind schon sehr speziell. Überhaupt ist die Behandlung von Seiten der Tampa Bay Buccaneers bist jetzt absolut top! Als nächstes geht es hinauf in die Stadionsprecher-Kabine und zum Stadion-DJ. Auch wenn ich mehrseitige Game-Manuals gewohnt bin war mir der Entertainment-Game-Plan doch eine neue Dimension. 29 (!!!) Seiten nur für das Entertainment für ein Spiel, wovon das meiste diverse Ansagen für den Moderator sind. Anyway – auch von hier oben ist die Sicht auf das Spielfeld tadellos und wenn nicht, wird sich hier einfach mit Feldstechern geholfen. So plätschert das Spiel dahin, immer wieder eingestreut von diversen Entertainment-Elementen und sportlichen Highlights wie zB einem einhändigen „Catch“ der Phillie-Offense, der in die Kategorie „Catch of the Year“ fällt. Gegen Ende des Spiels geht es wieder auf Spielfeld. Als ob es nicht schon genug Highlights an diesem Tag waren fällt der spielentscheidende Touchdown in der Schlusssekunde 3 Meter neben mir auf der Sideline. Nur leider für das falsche Team aus Sicht des Bucs-Teams. Nach der Pressekonferenz bin ich schon für’s Danke sagen bereit, als Clark mich fragt, wie viel Zeit ich noch habe. An sich bin ich schon etwas in Zeitnot, da ich einen Flug zurück nach Miami habe. Dennoch, als er meint, dass er im Office die Vince Lombardi Trophy, auch bekannt als Superbowl, stehen hat, hab ich doch nochmal ein paar Minuten Zeit gefunden. Also geht es mit dem Golfwagen ins Büro und da steht er – ein Replikat der Superbowl-Trophäe von 2003. Ein würdiger Abschluss des Tages im NFL-Wunderland!

 

Fazit: Ein Tag mit vielen Eindrücken, Ideen und Impressionen aus einer Welt, in der Entertainment im Sport besonders groß geschrieben wird. Was auch bleibt ist die Erkenntnis, dass in den USA Entertainment „für“ das Publikum gemacht wird, in Europa dafür viel mehr Entertainment „mit“ dem Publikum! Für mich ist eine Kombination aus beidem ein Optimum, was somit noch Luft nach oben lässt!

 

Einen Bericht über diesen Tag gibt es auch im nächsten Kick Off Magazin!

 

Hier nun noch einige Impressionen (mehr Fotos gibt es hier):

Während dem Warm Up

In the Zone

Ready to go

Game on

Meuterei auf dem Bucs-Schiff

Clark, der Captain und ich

Nicht nur die Sonne ist heiß in Tampa...

Pre-Game Vorbereitung

Buccaneers in voller Fahrt

„Captain Fear“

Enjoy

It’s Gameday!

Put a ring on

Superbowl Champ „A-Train“

The winner takes it all

Superbowl XXXVII-Champions

"Ladies and Gentlemen..."

Stadionsprecher @ work

The American Way

Entertainment-Suite

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