Chicago Marathon Titelbild

Chicago-Marathon: Warum Aufgeben keine Option war

Gestern bin ich den Chicago-Marathon gelaufen. Ein Lauf, der mich emotional tief berührt und körperlich alles abverlangt hat. Rund eine Million Zuschauer säumten die Strecke, trugen die Läufer mit ihrem Enthusiasmus durch die Stadt – und auch mich bis ins Ziel. Dass ich diesen Marathon gefinisht habe, war allerdings alles andere als selbstverständlich.

Zielvorgabe und schwierige Vorbereitung

Mein klares Ziel für Chicago lautete 3:04 Stunden. Diese Zeit hätte mir nicht nur eine Qualifikation für weitere Major-Marathons wie Sydney und Boston ermöglicht, sondern mich auch meinem großen Traum nähergebracht: alle Major Marathons der Welt zumindest einmal zu laufen. Chicago war mein dritter Major nach New York und Berlin – und die monatelange Vorbereitung deutete darauf hin, dass diese Zeit realistisch war.

Doch vor gut eineinhalb Wochen erwischte mich ein viraler Infekt. Fieber. Verkühlung. Alles zusammen. Trotz aller Gegenmaßnahmen ging ich gestern noch mit leichtem Halsweh an den Start. Keine ideale Ausgangslage – aber Aufgeben kam nicht infrage.

Chicago Marathon 1

Ein Marathon spielt sich im Kopf ab

Bis Kilometer 20 lief alles nach Plan. Mit 1:34 Stunden passierte ich die Hälfte der Distanz – doch danach kam der berühmte Mann mit dem Hammer. Die zweite Hälfte wurde lang – sehr lang. Mein Tempo brach ein, ich musste zwischendurch sogar kurze Gehpausen einlegen. Körperlich war es brutal.

Mental jedoch war klar: Ich ziehe das durch. Die Energie der Zuschauer, ihr unermüdliches Anfeuern und diese einzigartige Atmosphäre in Chicago gaben mir immer wieder neue Kraft. Am Ende überquerte ich erschöpft, aber stolz die Ziellinie – nach 3:44 Stunden.

Chicago Marathon 2

Dankbarkeit und neue Perspektiven

Auch wenn ich mein Ziel klar verfehlt habe, so wich die Enttäuschung schon während des Laufs sehr schnell in Dankbarkeit. Ich war unendlich dankbar, dass ich das erleben durfte. Die harte Vorbereitung, in der du deinen Körper noch besser kennenlernst, die unvergleichbare Atmosphäre, bei der Menschen aus der ganzen Welt miteinander ein Fest feiern. 

Mit etwas Abstand bleiben drei positive Erkenntnisse. Erstens: Ich durfte eine der beeindruckendsten Marathon-Atmosphären der Welt erleben. Zweitens: Trotz aller Widrigkeiten habe ich eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt. Und drittens: Ich kann einen weiteren Major-Marathon abhaken – Nummer drei ist geschafft.

Chicago Marathon 3

Die Reise geht weiter

Der Chicago-Marathon wird mir lange in Erinnerung bleiben. Wie schon bei meinen bisherigen Marathons gab es auch hier diesen einen Moment, in dem mir vor Erleichterung und Freude die Tränen kamen. Ich habe eine weitere Etappe auf meinem Weg absolviert – sportlich, aber auch persönlich.

Trotz Rückschlägen eine Leistung abzurufen, hat mir gezeigt, dass noch mehr in mir steckt. Und genau das motiviert mich. Die Reise geht weiter – mit neuen Zielen, neuen Herausforderungen und der festen Überzeugung: Aufgeben ist keine Option.

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