Mann über den Wolken breitet Arme aus

Intrinsische Motivation fördern: So gehen Mitarbeiter die Extrameile

Unter Motivation versteht man den Antrieb oder die Bereitschaft, ein bestimmtes Verhalten an den Tag zu legen oder bestimmte Aktivitäten auszuführen. Dieser Antrieb ist besonders stark, wenn er von innen kommt. Dann reden wir von intrinsischer Motivation. Eine besonders stark ausgeprägte Motivation führt dazu, dass Menschen über sich hinauswachsen und Außergewöhnliches leisten, oder anders gesagt: die Extrameile gehen.

Als Moderator und Keynotespeaker habe ich tagtäglich mit dem Feld der Motivation zu tun, um Menschen dabei zu helfen, Hindernisse zu überwinden und aus ihrer Komfortzone zu treten. In diesem Beitrag zeige ich dir, was intrinsische Motivation ist, welche Beispiele es dafür gibt und welche Anreize helfen können, um intrinsische Motivation zu fördern.

Der intensive Blick eines entschlossenen Sportlers, der Schweiß glitzert, reflektiert das Licht und zeigt Konzentration und Stärke.

Was bedeutet intrinsische Motivation?

Wenn du keine äußeren Anreize brauchst, um etwas zu tun, dann bist du intrinsisch motiviert. Bei intrinsischer Motivation kannst du dich stunden-, tage- oder wochenlang mit ein und demselben Thema beschäftigen und es verschafft dir Befriedigung in Form von Freude, Stolz oder Erfüllung. Oft sprechen wir dabei auch davon, Leidenschaft für eine Sache zu haben.

Einflussfaktoren der intrinsischen Motivation

Intrinsische Motivation beruht per Definition immer auf einem inneren Bedürfnis. Der innere Antrieb entspringt einem Wunsch oder einer Überzeugung. Neugier, Leidenschaft oder persönliche Neigungen für ein Thema sowie das Bewusstsein für einen tieferen Sinn hinter einer Aktivität sind unterschiedliche Ausprägungen dieser inneren Triebkraft. 

Die Bedürfnisse, die sich laut Selbstbestimmungstheorie durch intrinsische Motivation befriedigen lassen und sie somit befördern, sind:

  • Selbstwirksamkeit: die Wahrnehmung und das Erleben der eigenen Kompetenz 
  • Soziale Bedeutung: die Stärkung der Bindung zu anderen Menschen
  • Autonomie: das Gefühl, unabhängig und frei zu sein
Silhouette von Geschäftsmann läuft für die Karotte und Reflexion im Wasser. Konzept von Geld und Geschäft

Intrinsische vs. extrinsische Motivation

Im Gegensatz zur intrinsischen Motivation beruht die extrinsische Motivation laut Definition darauf, dass sie durch äußere Anreize befördert wird. Die wichtigsten Triebkräfte sind hier Anerkennung und Belohnung oder im negativen Sinn das Vermeiden von Bestrafung.

Wenn du rein extrinsisch motiviert bist, dann ist dir die Aufgabe nicht wichtig. Du erledigst die Tätigkeit, weil du dir Vorteile davon versprichst. 

Diese Vorteile und Motive können beispielsweise sein:

  • Finanzielle Anreize: Gehaltserhöhungen, Prämien, Provisionen
  • Karriereschritte: Beförderung
  • Soziale Anerkennung: höherer Status, Bewunderung durch andere
  • Strafen und Angst verhindern: Geldbußen, Kündigung, Prestigeverlust

Im Fall der Förderung von extrinsischer Motivation stehen dem Arbeitgeber wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um die Belegschaft zu mehr Leistung zu motivieren. Dabei handelt es sich bei den Motivatoren vor allem um Geld und andere Belohnungen.   

Warum ist intrinsische Motivation wichtig?

Extrinsische und intrinsische Motivation schließen sich nicht aus. Die meisten Menschen verspüren beide Arten des Antriebs. Allerdings ist intrinsische Motivation weitaus nachhaltiger. Intrinsische Motivation hat entscheidende Vorteile:

  • Die Leistungsbereitschaft und Leistungserbringung ist höher. Im Zustand der intrinsischen Motivation zeigen Menschen mehr Engagement und wollen ein besseres als nur ein ausreichendes Ergebnis erzielen. Die freiwillige Extrameile wird viel häufiger gegangen.
  • Der Wille, ein Problem zu lösen, ist größer. Personen mit intrinsischer Motivation begreifen Schwierigkeiten als Herausforderungen, die es zu meistern gilt. 
  • Intrinsische Motivation ist nachhaltiger. Externe Anreize motivieren nicht so anhaltend wie innere Triebkräfte. Wenn der Effekt äußerer Anreize nachlässt, müssen diese gesteigert werden. Intrinsische Motivation bleibt viel länger auf einem hohen Level. 
  • Lernen und Kreativität werden durch intrinsische Motivation gefördert. Neugier stärkt den Lernwillen, Interesse und Spaß an der Sache sind eine Grundvoraussetzung für neue Ideen. 
  • Intrinsisch motivierte Mitarbeitende sind zufriedener am Arbeitsplatz. Es fehlt das Gefühl, zu einer Leistung gezwungen oder gedrängt zu werden. Wer für seine eigene Erfüllung arbeitet, ist auch weniger anfällig für Burnout. 
Marathonläufer in der Stadt als Beispiel intrinsischer Motivation

Beispiele intrinsischer Motivation

Als Keynote Speaker und Moderator bemühe ich gerne Vergleiche aus dem Sport. In meiner Keynote “Das Marathonprinzip: Spitzenleistung wenn’s drauf ankommt” ist die Extrameile, die Mitarbeitende mit intrinsischer Motivation gehen, ja sozusagen schon im Titel versteckt. Daher bringe ich an dieser Stelle ein paar markante Beispiele aus der Welt des Sports, die sich aber leicht auf Unternehmen und den Arbeitsplatz übertragen lassen.

Eliud Kipchoge: Ein Sub-2-Stunden-Marathon als Teamarbeit

Im Oktober 2019 lief der kenianische Laufstar Eliud Kipchoge als erster Mensch einen ganzen Marathon in unter 2 Stunden. Ich durfte dieses Event auf der Wiener Prater Hauptallee im Zielbereich moderieren und hatte auch einen tieferen Einblick in die Projekt-Vorbereitungen. Zur generalstabsmäßigen Vorbereitung gehörte beispielsweise, dass die Straße neu asphaltiert wurde, Maßnahmen zur Verhinderung des Fallens von Blättern auf die Strecke getroffen wurden und die Wettervorhersagen laufend analysiert wurden, um kurzfristig den besten Zeitslot bestimmen zu können.

Um das Tempo zu gewährleisten, wurden über 40 namhafte Läufer rekrutiert, die alleine über 50 Olympia-, WM- und EM-Medaillen unter sich aufteilten. Um die bestmögliche Formation für die Tempomacher zu finden, wurde eigens im Windkanal getestet. Das sind nur einige Beispiele, dass hier nichts dem Zufall überlassen wurde, um das eine große Ziel zu erreichen. Es war nicht Eliud Kipchoge allein, der das gesteckte Ziel erreichte, es war ein riesiges Team, das sich ganz und gar dem Ziel verschrieben hatte. Hier wurde im wahrsten Sinne des Wortes die Extrameile gegangen bzw. gelaufen, um etwas zu erreichen, das die Menschheit noch nicht gesehen hatte.

Intrinsische Motivation + Extrameile - Michael Jordan

Tom Brady und Michael Jordan: Wie eine inspirierende Führungskraft intrinsische Motivation erzeugt

Als Michael Jordan zu den Chicago Bulls kam, war die Basketballmannschaft ein absolutes Verlierer-Team. Obwohl Michael Jordan zu dem Zeitpunkt erst 21 Jahre alt war, hatte er schon damals das Charisma eines unbändigen Leaders. Er hatte es sich selbst zum Ziel gesetzt, jedes Jahr zumindest in den Playoffs zu sein – ein Ziel, von dem die Chicago Bulls im Jahr davor so weit entfernt waren wie ein Skateboard von der Formel 1. Er zog diejenigen mit, die ebenfalls gewinnen wollten und die anderen verließen das Team. Während Michael Jordan der Ruf nacheilt, nicht der angenehmste Teamkamerad gewesen zu sein, verkörpert er jedoch eines: Er hat nie von anderen etwas verlangt, das er selbst nicht bereit war zu leisten.

Intrinsische Motivation + Extrameile - Tom Brady

Auch Star-Quarterback Tom Brady hatte den Ruf, alles dem sportlichen Erfolg unterzuordnen. Beginnend mit seiner unentwegten Vorbereitung auf jedes Spiel, seiner Ernährung, um auch in hohem Sportleralter noch Höchstleistungen zu erbringen, sowie seinem Willen, Gehaltskürzungen in Kauf zu nehmen, damit das Team mehr Geld zur Verfügung hat, andere Starspieler zu bezahlen. Als er 2020 als 6-facher Super Bowl Sieger zu den Tampa Bay Buccaneers wechselte, gab es mehrfach die Situation, dass sein Trainer im Training eine Übung diktierte und die Mitspieler fragend Tom Brady anschauten, bis dieser sagte: Tut, was er sagt.

Die Persönlichkeit von Jordan und Brady war es, die andere dazu brachte, sich mit dem Ziel zu identifizieren und selbst alles dafür zu tun, Champions zu werden. Durch diesen Zugang ist jeder gefragt, seinen Beitrag zu leisten. Brady und Jordan machten ihre Mitspieler besser und zogen mit ihrer Vision andere gute Spieler an. Sie waren zu großen Teilen für die Weiterentwicklung der gesamten Mannschaft verantwortlich und pushten die Teams zu immer größerer Leistung.

Anna Kiesenhofer: Der Glaube an die Außenseiter-Chance

Anna Kiesenhofer holte 2021 in Tokyo die olympische Goldmedaille im Radrennen auf der Straße. Das war eine der größten Sensationen in der Olympischen Geschichte und ein Sinnbild für die “Extrameile”. Selbst Insider konnten mit der Amateurin, die zu diesem Zeitpunkt hauptberuflich an der Universität in Lausanne Mathematik unterrichtete, wenig anfangen. Während die großen Radsportnationen mit vollen Teams von vier Radprofis angereist waren, stellte Anna Kiesenhofer alleine das österreichische Ein-Frau-Team. 

Mit vollem Einsatz erstellte sie ihren eigenen Trainingsplan, Ernährungsplan als auch die Rennstrategie. Auch, oder gerade weil sie niemand auf dem Schirm hatte, sagte sie sich, wenn ich schon einmal bei Olympia fahre, dann will ich zumindest eine Duftmarke hinterlassen. So ergriff sie kurz nach dem Start die Initiative und war bei einer 5-köpfigen Ausreißergruppe dabei, die im Verlauf des Rennens immer kleiner wurde. Mit noch 41 Kilometern zu fahren, fasste sie sich ein Herz und attackierte, um ihre letzten beiden Mitstreiterinnen hinter sich zu lassen. Während alle anderen eingeholt wurden, hielt sie als einzige durch und überquerte als Ergebnis einer unglaublichen Willensanstrengung die Ziellinie als Siegerin.

Auch wenn dieses Handeln vielleicht in 99 von 100 Fällen nicht aufgeht – an diesem Tag hatte sie die ultimative Lösung – getrieben von intrinsischer Motivation und dem unerschütterlichen Glauben daran, dass Grenzen nur existieren, um überwunden zu werden.

Der Schatz in einer Höhle

Die Schatzsuche: Die drei Glaubenssätze der intrinsischen Motivation

Am 20. Juli 1985 fand Schatzsucher Mel Fisher, zusammen mit seiner “Golden Crew”, nach 16-jähriger Suche einen Schatz vor der Küste von Key West. Er barg das Schiffswrack der spanischen Galeere “Nuestra Senora de Atocha”, die in einem Hurricane 1622 gesunken war An Board: unsagbare Gold- und Silbergegenstände mit einem Wert von 450 Millionen US-Dollar. 

Was treibt jemanden an, 16 (!!!) Jahre lang die Karibik zu durchqueren? Auch die intrinsische Motivation lässt sich mit einer Schatzsuche vergleichen. Der Schatz ist hierbei nicht eine profane externe Belohnung, sondern steht für den inneren Anreiz und das persönliche Ziel. Die notwendigen Glaubenssätze um einen Schatz zu heben – oder Großes zu erreichen:

  1. Der Schatz existiert. Der Glaube an die Existenz des Schatzes darf nicht in Frage gestellt werden. 
  2. Der Schatz ist es wert, geborgen zu werden – es lohnt sich, den Schatz zu bergen. Motivatoren, um den Schatz zu bergen, müssen ein Grund sein, um Menschen in Bewegung zu bringen.
  3. Du kannst den Schatz heben: du bringst die innere Überzeugung mit, dass du in der Lage bist, den Schatz ans Tageslicht zu bringen.

Auch bei unseren oberen Beispielen gelten diese drei Punkte. Egal ob Eliud Kipchoge, Michael Jordan, Tom Brady oder Anna Kiesenhofer – alle hatten das Wissen, dass der Schatz existiert: sei es eine sportliche Schallmauer, ein Meistertitel oder olympisches Gold.

Jede der vier Personen hatte dieselbe Antwort auf die zweite Frage: Es lohnt sich, die Leistung zu investieren und den Schatz zu bergen.

Zu guter Letzt brachten alle vier den unbändigen Glauben an sich selbst und ihr Team mit, dass sie in der Lage sind, diesen Erfolg für sich zu verbuchen.

Bei der intrinsischen Motivation gibt es drei Glaubenssätze: 1. Der Schatz existiert. 2. Der Schatz ist es wert geborgen zu werden. 3. Du kannst den Schatz bergen. Share on X
Selbstbewusste, erfolgreiche Frau, die ihren Erfolg mit erhobenen Armen in einer motivierenden und inspirierenden Umgebung feiert, die Ermächtigung und persönliches Wachstum symbolisiert.

Intrinsische Motivation fördern: Tipps, wie’s geht

Um die intrinsische Motivation im Unternehmen und am Arbeitsplatz zu fördern, gibt es ein paar Tipps, die ich dir gern mitgeben möchte. 

Identifikation mit Zielen und Visionen

Sorge dafür, dass die Mitarbeiter sich mit den Zielen und Visionen deines Unternehmens identifizieren. Erkläre die Ziele, nimm die Mitarbeitenden mit und überzeuge sie. Nur wer von etwas überzeugt ist, setzt sich freiwillig dafür ein. Noch genauer gehe ich dazu in meinem Artikel zum Thema Teamgeist fördern ein.

Der Sinn hinter der Extrameile

Der Nutzen hinter einer Tätigkeit, hinter der Extrameile muss klar sein. Wer den Wert der Tätigkeit und des zu erwartenden Ergebnisses anerkennt, lässt sich nicht lähmen, sondern geht die Aufgabe mit Verve an.

Freiwilligkeit

Kein Zwang. Freiwilligkeit ist eng verbunden mit der Identifikation mit den Zielen und der Anerkennung der Sinnhaftigkeit von Aufgaben. Freiwilliges Arbeiten ist Arbeiten ohne Druck. Freiwilligkeit kann gefördert werden durch Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten, flexibler Arbeitsort oder auch die Unterstützung von “Passion-Projects”. All diese Anreize im Job fördern die Selbstbestimmung und somit die intrinsische Motivation.

Vertrauen und Freiräume für intrinsisch motivierte Mitarbeiter

Auch andere Freiräume fördern die intrinsische Motivation. Wenn die Mitarbeiter spüren, dass ihnen vertraut wird, dass sie eigenverantwortliche Entscheidungen treffen dürfen, dann erhöht das das Selbstwertgefühl. Die intrinsische Motivation steigt.

Ruderteam in Aktion. Die Mannschaft arbeitet zusammen, um das Boot vorwärts zu treiben.

Arbeit im Team: Das Umfeld muss passen

Menschen sind immer auch soziale Wesen. Kaum eine Aufgabe wird in Unternehmen im Alleingang gelöst. Das Team ist ein entscheidender Faktor, wenn es um intrinsische Motivation geht, siehe Tom Brady und Michael Jordan. Führungskräfte sollten immer bestrebt sein, das passende Umfeld zu schaffen und den Teamgeist zu fördern. Auch Teamevents können die Belegschaft motivieren. 

Wie sorgst du für intrinsische Motivation?

Wie steigerst du in deinem Unternehmen die intrinsische Motivation am Arbeitsplatz? Als Keynote Speaker habe ich bereits vielen Unternehmen dabei geholfen, Mitarbeiter zu inspirieren, die Extrameile zu gehen. Solltest auch du Hilfe bei diesem wichtigen Thema benötigen, dann schreib mir dazu gerne eine E-Mail an [email protected] oder nutze das Kontaktformular. 

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