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Als professioneller Keynote-Speaker und Moderator ist meine Stimme natürlich mein Potenzial und auch Kapital. Ich habe in der Vergangenheit große Events mit zehntausenden Zuschauern und Zuhörern moderiert. Mein Stimme muss jederzeit einsatzbereit sein. Regelmäßiges Stimmtraining gehört daher für mich zu meinem normalen Alltag.

Meine erste mir in Erinnerung gebliebene Wahrnehmung zu meiner Stimme hatte ich bereits in der Grundschule. Wir sollten etwas mit einem Walkman aufnehmen und dann vor der Klasse abspielen. Mein erster Gedanke: “Hilfe, das bin doch nicht ich. Wer hat da auf meine Kassette gesprochen?” Durch die Wahrnehmung mit dem inneren Ohr hörte sich meine Stimme vollkommen anders an, als ich sie mir vorgestellt hatte.

2009 begann ich dann zu moderieren und investierte viel Zeit und natürlich auch Geld in eine professionelle Sprachausbildung. Ich habe jeden Tag geübt, weit über 70 Einzelstunden genommen und an einer Vielzahl an Workshops teilgenommen. Meine gesamte Ausbildung dauerte fast 13 Monate. Und mein Stimmtraining dauert bis heute an.

Stimmtraining kann auch das Alltagsleben erleichtern

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Stimmtraining nicht nur im Job hilfreich sein kann, sondern auch vorteilhaft für deinen Alltag ist.

Eine geübte Stimme, die kräftig und angenehm ist, mit gleichzeitig klarer Aussprache öffnet Türen im privaten Bereich wie auch im Business. Menschen, die über eine kräftige Stimme verfügen, werden als selbstbewusste und starke Persönlichkeiten wahrgenommen.

Die Stimme sollte nicht nur auf ein reines Kommunikationsmittel reduziert werden, sie ist viel mehr. Sie transportiert nicht nur den Inhalt einer Rede sondern vermittelt auch Emotionen und zeigt, ob das Gesagte auch tatsächlich deckungsgleich zu unseren Meinungen ist. Die Stimme ist somit ein wichtiger Indikator während einer Diskussion oder einer Rede.

Jeder hat eine individuelle Sprechlage

Wir alle besitzen eine ganz natürliche Tonlage beim Sprechen. Da fühlen wir uns wohl und können ohne Anstrengungen sprechen. Diese Tonlage wird als Indifferenzlage bezeichnet. Durch Stress, Angst und andere Emotionen wird die natürliche Indifferenzlage beeinflusst. Infolgedessen hört sich deine Stimme bei Angst verzerrt an. In extremen Ausnahmesituationen kann die Stimme sogar ganz wegbleiben.

Daneben gibt es noch den sogenannten psychorespiratorischen Effekt, der durch ein Stimmtraining entscheidend beeinflusst werden kann. Dieser Effekt ist dafür verantwortlich, ob der Besitzer der Stimme sympathisch erscheint oder eher nicht.

  • Ein nasal sprechender Mensch wird oft als arrogant eingestuft.
  • Redner mit einer sehr scharfen Stimme werden oft als aggressiv wahrgenommen.
  • Bei einer stockenden Stimme vermutet der Zuhörer oft eine Unwahrheit in den Aussagen.
  • Eine übertriebene Sprechweise wird ebenfalls mit Unglaubwürdigkeit in Verbindung gebracht.

Mit einem gezielten Stimmtraining kannst du auf leichte Art deine natürliche Tonlage finden und verstärken.

Wie findest du die richtige Sprechlage?

Jeder Mensch hat eine individuelle Sprechlage, in der er sich wohlfühlt. Wirst du nervöser oder hektischer, sprichst du automatisch ein paar Töne höher als gewöhnt.

Hier verrate ich dir nun einen Trick, wie du deine “Wohlfühl-Sprechlage” herausfindest:

  • Denk einmal an dein absolutes Lieblingsgericht und sage dabei ein “mmmmhh”. 

Diese Tonlage ist deine natürliche Sprechlage. Beim natürlichen Sprechen variiert deine Stimme bis zu einer Quinte (das sind 5 Tonstufen) und kommt immer wieder auf deine natürliche Sprechlage zurück.

  • eine kleine Übung, wenn du mit deiner Stimme aus dem Gleichgewicht geraten bist:

Sage auf dem Höhepunkt der Diskussion, wenn du drohst in höhere Stimmlagen zu driften “mmmhhh, ich verstehe”. So kannst du ganz elegant in deine natürliche Tonlage zurückgleiten und signalisierst nebenbei: Ich bin souverän, ruhig und gelassen und lasse mich nicht provozieren.

Welche Stimm-Elemente kannst du mit einem Stimmtraining beeinflussen?

kind am mikrofon beim stimmtraining

Die Stimme ist ein faszinierendes Instrument. Obwohl wir Stimmbänder besitzen, ist die Stimme kein Saiten- sondern ein Blasinstrument. Deine ideale Stimme findest du durch eine Kombination aus den verschiedensten Elementen wie Tonhöhe, Sprachmelodie, Sprachrhythmus, Sprechgeschwindigkeit und Lautstärke.

1. Tonhöhe

Die Tonhöhe bestimmt, wie viele Töne deine Stimme im Repertoire hat. Das reicht von einer Oktave, also zwölf Halbtöne, bei einer untrainierten Stimme bis hin zu drei Oktaven bei einer ausgebildeten Stimme. Interessanterweise scheuen sich jedoch viele Menschen davor, ihr Potential auszuschöpfen und bewegen sich beim Sprechen innerhalb von drei bis fünf Halbtönen. Das war’s dann auch schon. Da wundert es dann auch nicht, dass die Rede oder Präsentation für den Zuhörer schnell etwas monoton oder gar einschläfernd wird.

Trau dich hier ruhig einmal etwas mehr mit deinen Tonhöhen zu spielen. Wichtig ist hierbei, dass das nicht willkürlich passiert. Wenn du ein Wort in einem Satz hervorheben möchtest, so wie du bei einem Buch wichtige Dinge unterstreichst, dann kannst du ruhig mit der Stimme gezielt nach oben oder unten gehen. Auch besonders emotionale Momente kannst du durch deine Tonhöhe wunderbar hervorheben.

2. Sprachmelodie

Unsere Stimme folgt immer einer Melodie. Diese Sprachmelodie hat drei mögliche Verläufe:

  • Die Stiegen hinauf: Wenn also die Stimme nach oben geht.
  • Die Stiegen hinunter: Hier geht deine Stimme nach unten.
  • Geradeaus: Wir bleiben in etwa auf einer Tonhöhe.

Uns wird oft beigebracht, dass bei einer Frage die Stimme am Ende des Satzes nach oben geht und bei einem Punkt gehen wir nach unten. Nichts könnte unnatürlicher sein! Wenn du bei jedem Satzende mit deiner Stimme nach unten gehst klingt das so, als ob bei deinem Auto der Motor ständig abstirbt. Du kommst nicht vom Fleck. Es wird nicht nur anstrengend für deinen Zuhörer, sondern klingt auch so, als ob ein Volksschulkind ein Weihnachtsgedicht aufsagt: “Von draußen vom Walde komm’ ich her. Ich muss euch sagen es weihnachtet sehr.”

Was Viele nicht wissen: Ein Absatz bedeutet ein Gedanke! Wenn du normal mit deinen Freunden redest, würdest du nie auf die Idee kommen, nach jedem Satz mit der Stimme nach unten zu gehen, sondern immer erst nach deinem Gedanken. Halte es auch so, wenn du vor Menschen redest. Du kannst innerhalb eines Absatzes gerne mit deiner Sprachmelodie spielen und dadurch einzelne Wörter hervorheben oder akzentuieren. Gehe dabei aber erst am Ende des Absatzes mit deiner Stimme ganz nach unten. 

3. Sprechgeschwindigkeit 

Kennst du das auch? Bei Diskussionen gibt es immer den Diskussionsteilnehmer, der mit einer unglaublichen Ruhe spricht und so die Oberhand gewinnt. Circa 120 Wörter pro Minute werden als moderate Sprechgeschwindigkeit angesehen.

Man hat inzwischen auch herausgefunden dass visuelle Menschen eher schneller reden, kinästhetische müssen ihre Worte “spüren” und reden daher meist deutlich langsamer. Auditive Personen finden ihr Tempo meist im mittleren Bereich.

Noch viel wichtiger als die eigentliche Geschwindigkeit, mit der du zu deinen Zuhörer sprichst, ist der Rhythmus. Immer in derselben monotonen Geschwindigkeit wirkt schnell langweilig. Variation heißt das Zauberwort, mit der du dein Publikum begeisterst, aber wie?

Passe deine Geschwindigkeit an den emotionaler Zustand an, den du vermitteln willst: Bist du traurig oder gelangweilt, sprichst du eher in einem niedrigen Tempo. Wut und Aufregung aber auch Freude und Euphorie lassen dein Tempo ansteigen.

4. Tonalität

Die Tonalität besagt, wie du deine Stimme einsetzt und welche Wirkung du damit erzielst. Hast du eine volle Stimme oder krächzt du regelmäßig vor allem gegen Ende des Satzes? Dies wird in erster Linie durch den Einsatz deiner Atmung beeinflusst und durch die Luft, die dir beim Reden zur Verfügung steht.

Wenn deine Atmung immer im Brustkorb stecken bleibt und nicht den ganzen Resonanzkörper des Bauches nützen kann, kannst du nicht erwarten, dass deine Stimme voll klingt. Wenn dir am Ende des Satzes regelmäßig die Luft ausgeht, wirst du um ein Krächzen kaum herum kommen. Stell dir vor, dass dein Bauch wie ein Blasebalg funktioniert und während dem Reden kleiner wird und sich sobald du atmest wieder füllt. Das wird deiner Stimme mehr Volumen, Fülle und eine wesentlich angenehmer Tonalität geben.

5. Lautstärke

Bei jedem Gespräch, bei jeder Rede ist es auch wichtig dass du deine Lautstärke variierst. Und auch auf die Situation und auf deine Zuhörer anpasst. Durch eine verringerte Lautstärke kannst du schnell mal das Gefühl der Intimität vermitteln, welches automatisch die Aufmerksamkeit deines Publikums erhöht. Headlines und Keypoints kannst du dafür gerne mit erhöhter Lautstärke auf deine Zuhörer loslassen.

Tägliches Stimmtraining lohnt sich

Für viele von uns ist es selbstverständlich: Wenn du einen athletischen Körper aufbauen möchtest, musst du täglich trainieren. Warum sollte es bei der Stimme anders sein? Als Sprecher und Keynote-Speaker ist tägliches Stimmtraining eines meiner Must-Dos. Wie funktioniert das? Nimm dir täglich zehn Minuten, in dem du dein aktuelles Lieblingsbuch laut liest. Nimm dich dabei auch regelmäßig auf und höre dir an, wie deine Stimme klingt. Gefällt dir was du hörst? Du wirst merken, dass sich bei regelmäßigem, gezielten Training, deine Stimme in ein wahres Goldkehlchen verwandelt.

Welche Frage kommt bei dir auf, wenn du an Stimmtraining denkst? Kannst du dir vorstellen, dass dir eine kraftvolle Stimme, die du bewusst einsetzen kannst, Vorteile im Alltag und im Berufsleben bringen kann? Wie kann ich dir weiterhelfen, damit du deine Stimme zu einem wunderschönen Instrument machst?


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